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Mit ruhiger Hand bei Tempo 100

2024 wurde Sören Sparbier Deutscher Meister in der offenen 1:10-Klasse. Bei der Deutschen Meisterschaft EG Tourenwagen und Formel 1 in Siersburg gewann er in der Klasse Elektro-Glattbahn Tourenwagen Modified. Foto: Sparbier
2024 wurde Sören Sparbier Deutscher Meister in der offenen 1:10-Klasse. Bei der Deutschen Meisterschaft EG Tourenwagen und Formel 1 in Siersburg gewann er in der Klasse Elektro-Glattbahn Tourenwagen Modified. Foto: Sparbier

Sören Sparbier aus Hann. Münden zählt zu den starken RC-Car-Fahrern Deutschlands. Im Interview spricht er über Erfolge, Technik, Training und seine Ziele.

Von außen sieht man kleine Autos, Fahrer mit Fernsteuerungen, eine Strecke in der Halle oder auf Asphalt. Bei Sören Sparbier merkt man aber schnell: Für ihn ist das kein Nebenbei-Hobby, sondern ein Sport, in dem er seit Jahren auf hohem Niveau unterwegs ist.

Sparbier kommt aus Hann. Münden. Sein Verein ist der RCCT Münden, ein Club, der rund um die RC-Car-Strecke am Weserpark in Gimte bekannt ist. Dort ist er groß geworden, dort hat er viele seiner Runden gedreht. RC-Cars waren bei den Sparbiers Teil des Alltags. Sein Bruder Kevin ist im Verein aktiv, Sören selbst fuhr schon als Kind Rennen.

Bereits 2018 wurde er in der Szene als Nachwuchsfahrer wahrgenommen. Damals hieß es, er sei mit fünf Jahren sein erstes Rennen gefahren und habe schon mehrere deutsche Juniorentitel in der Hobby-Klasse gewonnen. Das erklärt einiges an seiner heutigen Sicherheit. Wer so früh anfängt, lernt nicht nur, ein Auto schnell um die Strecke zu bringen. Man lernt auch die langen Tage an Rennwochenenden kennen und die Geduld, die dieser Sport verlangt.

Sein Schwerpunkt liegt im Maßstab 1:10, vor allem bei Elektro-Tourenwagen auf Glattbahn. Das sind schnelle, flache Fahrzeuge, die auf Teppich oder Asphalt gefahren werden. Es geht um Linienwahl, um saubere Kurven und sehr kleine Korrekturen am Sender. Ein RC-Car sieht klein aus, aber die Fehler passieren schnell. Oft reichen wenige Zentimeter.

Inzwischen ist Sparbier längst kein reines Nachwuchstalent mehr. 2023 wechselte er zu Mugen Seiki Europe, einem bekannten Herstellerteam im RC-Car-Sport. Seine Rennen bestreitet er national und international, unter anderem in Klassen wie Touring Car Modified, Pro Stock oder Open Brushless.

2024 wurde er Deutscher Meister in der offenen 1:10-Klasse. Bei der Deutschen Meisterschaft EG Tourenwagen und Formel 1 in Siersburg gewann er in der Klasse Elektro-Glattbahn Tourenwagen Modified. Für den RCCT Münden war das ein großer Erfolg, für Sparbier persönlich ein wichtiger Schritt: ein nationaler Titel in einer technisch anspruchsvollen Klasse.

Auch international hat er sich gezeigt. Anfang 2025 gewann er bei der Thailand International Touring Car Championship, kurz TITC, in Bangkok die Klasse Touring Car Open Brushless. In der Szene ist die TITC kein kleines Rennen. Sparbier war dort nicht nur Sieger, sondern auch Top Qualifier, also schon in der Qualifikation der Schnellste.

Sören Sparbier zeigt, dass RC-Car-Racing viel mehr mit Motorsport zu tun hat, als viele vermuten. Es lebt von Fahrern, die nach einem Lauf nicht nur über Platzierungen sprechen, sondern über Reifen, Akkus, Regler, Temperatur und die Frage, warum das Auto in einer bestimmten Kurve nicht so lag, wie es sollte. Über diesen Weg, über den Aufwand hinter den Rennen und über die Frage, was ihn nach so vielen Jahren noch immer an den kleinen schnellen Autos fasziniert, haben wir mit Sören Sparbier gesprochen.

Viele kennen klassischen Motorsport, aber RC-Car-Racing eher nicht: Was genau fasziniert Sie an diesem Sport und wie würden Sie ihn jemandem erklären, der ihn noch nie gesehen hat?

Im Grunde ist es wie bei der Formel 1: Es gibt verschiedene Hersteller und fast denselben Rennmodus. Nur sitzt man bei uns nicht im Auto, sondern steht auf einer Erhöhung, von der aus man die ganze Strecke einsehen kann, und steuert von dort das Auto. Mich selbst fasziniert am meisten das präzise Fahren: jede Runde gleich zu fahren, und das so schnell wie möglich. Aber auch die Technik dahinter, um das Auto zu verbessern, macht einfach richtig Spaß.

Wie sind Sie persönlich zum Modellrennsport gekommen?

Mein Vater und mein Bruder machen das Hobby auch. Ich bin im Grunde in das Hobby hineingeboren, war schon als Baby immer dabei und habe dann sehr früh selbst angefangen zu fahren.

Ihre Fahrzeuge erreichen Geschwindigkeiten von über 100 km/h im Maßstab 1:10. Was macht den Reiz und gleichzeitig die Herausforderung bei diesen Rennen aus?

Bei solchen Rennen kommen immer Leute aus ganz Deutschland, bei größeren Rennen auch aus der ganzen Welt. Da gibt es immer jemanden, der gleich schnell oder etwas schneller ist. Mich reizt dieses Fahren zusammen, also gegeneinander, um mehr zu trainieren und besser zu werden.

Sie konnten bereits nationale und internationale Erfolge feiern: Welcher Sieg oder welches Rennen ist Ihnen besonders im Kopf geblieben ?

Da gibt es zwei Stück. Das eine war, als ich zum ersten Mal ein Rennen der Europa-Tourenwagen-Serie in Deutschland, in Daun, gewonnen habe. Davon gibt es fünf Rennen im Jahr, und das war das erste Mal, dass ich eines gewonnen habe. Und 2025, knapp drei Wochen später, habe ich in Thailand das Thailand International Rennen gewonnen.

Wie sieht ein typischer Trainingstag bei Ihnen aus und was gehört alles dazu, abseits vom reinen Fahren?

Ich fahre immer erst einmal, um zu schauen, wie das Auto gerade liegt und wie die Rundenzeiten sind. Dann verändere ich Kleinigkeiten am Auto, zum Beispiel die Federn, oder probiere verschiedene Öle aus, um für das Rennen das bestmögliche Auto vorzubereiten.

Der Sport wirkt technisch anspruchsvoll: Wie viel Zeit investieren Sie in Setup, Tuning und Vorbereitung im Vergleich zur eigentlichen Fahrzeit?

Ich selbst bin einer, der viel fährt, und verbringe mit beiden Sachen viel Zeit, da es mir viel Spaß macht. Am Ende würde ich sagen: 40 Prozent Fahren, 60 Prozent Setup und Vorbereitung. Aber das ist bei jedem unterschiedlich.

Wie viel Zeit nimmt der RC-Car-Sport insgesamt in Ihrem Alltag ein und wie lässt sich das mit Beruf und Privatleben vereinbaren?

Das kommt darauf an, was man erreichen möchte und wie viel Spaß es einem natürlich macht. Ich persönlich gehe mindestens einmal pro Woche trainieren und bin meistens das ganze Wochenende beim Training oder bei Rennen. Mit dem Beruf klappt das aktuell noch ganz gut, da ich noch Azubi bin. Für die meisten Rennen braucht man unter der Woche auch keinen Urlaub, außer es ist etwas Größeres. Aber auch dann ist das kein Problem.

Welche Fähigkeiten sind aus Ihrer Sicht entscheidend, um erfolgreich zu sein?

Ein bisschen Fingerspitzengefühl. Der Rest ist Training und viel Spaß haben.

Wenn Sie nach vorne schauen: Welche Ziele haben Sie noch im Modellrennsport und was reizt Sie daran, weiter dranzubleiben?

Weitere Ziele wären, Europameister und Weltmeister zu werden. Ein Traum wäre es, damit einmal Geld zu verdienen. Auch das macht für mich den Reiz aus: Man kann immer besser werden und mehr erreichen, und das spornt mich an. Das Fahren macht so viel Spaß, daher will ich immer mehr trainieren, um besser zu werden.