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Kasseler Hotelier haucht Sudhaus neues Leben ein

Biergarten, Hotel, Events: So soll das Sudhaus Kassel zum neuen Anziehungspunkt werden. Fotos: Kuke
Biergarten, Hotel, Events: So soll das Sudhaus Kassel zum neuen Anziehungspunkt werden. Fotos: Kuke

Das denkmalgeschützte Sudhaus in Kassel wird neu belebt: Hotel, Brauhaus, Biergarten und Eventflächen entstehen auf dem ehemaligen Brauereigelände.

Ein wuchtiger Backsteinbau, hohe Fenster, ein markanter Schornstein, Spuren industrieller Vergangenheit und zugleich ein Ort, der lange im Dornröschenschlaf lag. Das denkmalgeschützte Sudhaus an der Kasseler Hafenstraße steht seit Jahren für Stillstand. Doch genau hier, auf dem ehemaligen Gelände der Herkules- und späteren Binding-Brauerei, soll nun ein neues Kapitel beginnen.



Investor und Hotelier Thomas Nähler hat das Areal erworben und will es mit einem Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro in ein lebendiges Ensemble aus Hotel, Gastronomie und Veranstaltungsort verwandeln. Unterstützt wird er dabei von seinem Sohn Louis Nähler. Der Auftakt soll bewusst niedrigschwellig sein. Noch bevor die ersten Hotelzimmer entstehen, kehrt Leben in den Wirtshausbereich zurück. Ende Mai soll die Brauhaus-Gastronomie mit großem Biergarten öffnen. Kupferne Sudkessel werden wieder glänzen, der Gastraum vollständig saniert und technisch erneuert. Nähler setzt darauf, dass das Herzstück des Geländes – das Brauhaus – erneut zum Treffpunkt für Nachbarschaft und spontane Abende nach der Arbeit wird.

Doch das ist erst der Anfang. Parallel zur Wiedereröffnung der Gastronomie startet der Ausbau der oberen Etagen des Sudhauses. In den derzeit leerstehenden Stockwerken sollen zunächst 24 Hotelzimmer entstehen. Weitere 44 Zimmer sind im ehemaligen Verwaltungsgebäude an der Ecke Scharnhorst- und Hafenstraße geplant. Ergänzt werden diese durch zusätzliche Neubauten in Holzständerbauweise, die auf bis zu vier Etagen aufgestockt werden können. Langfristig sieht das Konzept ein weiteres Hotelgebäude zwischen Sudhaus und Verwaltungsbau vor. In Summe soll so ein Hotel mit mehr als 100 Zimmern entstehen. Diese könnten um Tagungs- und Veranstaltungsflächen für bis zu 1000 Personen sowie einen Spa- und Saunabereich ergänzt werden. Die Nähe zur Autobahn und zur Messe macht den Standort vor allem für Geschäftsreisende und Veranstaltungsgäste attraktiv. Gleichzeitig soll das Ensemble aber auch für Kasselerinnen und Kasseler offenstehen.



Hochzeiten, Jubiläen, Firmenfeiern, After-Work-Partys oder Silvesterveranstaltungen sind ebenso vorgesehen wie ein Weihnachtsmarkt auf dem Gelände. Ein alter Eisenbahnwaggon, der derzeit ungenutzt im Biergarten steht, soll zu einer Open-Air-Bühne umgebaut werden. Zudem entstehen Räume, die lokale Unternehmen oder Vereine für eigene Veranstaltungen anmieten können.

Für Nähler ist klar: Wirtschaftlich tragfähig wird das Projekt nur als Gesamteinheit. Gastronomie allein, so seine Erfahrung, lasse sich kaum rentabel betreiben. Erst das Zusammenspiel aus Hotelbetrieb, Brauhaus, Biergarten und Eventflächen schaffe die nötige Stabilität. Dass der Bedarf vorhanden ist, bestätigt auch eine von der Stadt beauftragte Studie, die zusätzliche Hotelkapazitäten für Kassel empfiehlt. Architektonisch setzt der Investor auf behutsame Weiterentwicklung statt radikalen Umbruch. Die vorhandene Bausubstanz soll so weit wie möglich erhalten bleiben, ergänzt durch modulare Bauweisen, die Nähler bereits in anderen Häusern erfolgreich nutzt. Die Planungen gelten als weit fortgeschritten, Architekten und Baufirmen sind eingebunden, nun stehen die weiteren Genehmigungen im Fokus.

Wenn alles nach Plan läuft, sollen große Teile des Projekts im kommenden Jahr fertiggestellt sein. Bis dahin wird sich das Bild an der Hafenstraße Schritt für Schritt wandeln: vom verlassenen Industrieareal hin zu einem Ort, an dem Menschen essen, feiern, tagen, übernachten – und dem historischen Sudhaus eine neue Zukunft geben.