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Autoreninterview: Horst Eckert liest am 19. März aus seinem neuen Thriller

"Die Praktikantin" ist das neue Buch von Horst Eckert. Foto: Horst Eckert • Design: Kathie Wewer
"Die Praktikantin" ist das neue Buch von Horst Eckert. Foto: Horst Eckert • Design: Kathie Wewer

Spannung pur am 19. März: Horst Eckert liest aus seinem neuen Thriller „Die Praktikantin“. Erfahren Sie alles über den Plot rund um KI und Geheimdienste.

Spannungsliteratur live erleben: Am Donnerstag, 19. März, ab 19.30 Uhr ist der vielfach gelobte Autor Horst Eckert im Café Himmelspforte am Kirchplatz in Bad Sooden-Allendorf zu Gast. Im Mittelpunkt des Abends steht sein neuer Roman „Die Praktikantin“, der zur Leipziger Buchmesse erscheint. Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf eine fesselnde Lesung und persönliche Einblicke in das neue Buch freuen. Weitere Hintergründe zum Roman und seinem Autor bietet auch das Verlagsinterview mit Horst Eckert.

Interview mit Horst Eckert zu seinem neuesten Thriller „Die Praktikantin“

(veröffentlicht im Heyne-Verlag)

Der Ukraine-Krieg, Geheimdienstaktionen, Künstliche Intelligenz und die Rolle des Journalismus bei der Suche nach der Wahrheit: Horst Eckert ist auch in seinem neuen Buch wieder hochaktuell, politisch und kritisch.

Horst Eckert gilt seit Jahren als einer der besten Thriller-Autoren Deutschlands und wurde bereits mehrfach preisgekrönt für seine hochbrisanten und topaktuellen Kriminalromane, die stets auf intensiver Recherche und authentischen Schilde-rungen der deutschen Gesellschaft beruhen. Wir haben mit ihm über sein neues Buch gesprochen, das am 11. März 2026 im Heyne Verlag erscheint.

„Die Praktikantin“ ist Ihr aktueller Thriller. Können Sie kurz den Inhalt skizzieren?

Eine junge Frau stößt an ihrem ersten Tag als Praktikantin in der Lokalredaktion einer großen Zeitung auf Ungereimtheiten in einer unscheinbaren Meldung des Polizeiberichts. Keiner nimmt Carla ernst, aber sie gräbt nach und stößt auf eine Geschichte, deren Dimension alles übertrifft, was sie sich jemals vorstellen konnte.

Das Buch greift brisante sowie hochaktuelle Themen wie Geheimdienstaktionen, den Ukrainekrieg oder das Thema Künstliche Intelligenz auf. Wie haben Sie sich in diese Zusammenhänge eingearbeitet?

Während ich an einem Buch arbeite, nehme ich alles auf, was mir zum Thema begegnet. Ich frage Fachleute und schaue zu, wie sie arbeiten. Und ich spekuliere: Welche Entwicklung wird alles nehmen, wohin steuern wir? Oft hat meine Fiktion einen Hauch von Dystopie, und manchmal erweist sie sich leider als erschreckend real.

Der deutsche Geheimdienst – nicht das erste Mal Thema Ihrer Thriller. Weshalb kommen Sie darauf zurück?

Mich interessiert die Zweischneidigkeit solcher Apparate. Ein wirksames Schwert für Regierungen, aber zugleich eine Gefahr für die Demokratie, weil sie sich öffentlicher Kontrolle entziehen. Und mich faszinieren gute Verschwörungs-erzählungen. Die Verstrickungen und Skandale unserer Geheimdienste werfen Fragen auf, die meine Schriftstellerfantasie beantworten möchte.

Gab es bei der Recherche besondere Momente, die Sie beeinflusst haben?

Ein Artikel der Künstlerin Hito Steyerl im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung öffnete mir die Augen, was die militärische Anwendung Künstlicher Intelligenz bedeuten kann. Nämlich die Zerstörung der Welt im Namen der Sicherheit. Damit hatte der Thriller seine Motivation, sogar die größtmögliche. Der Schlussstein meines Plots war gefunden.

Die Hauptfigur Carla ist eine junge Praktikantin, die sich plötzlich in einem gefährlichen Netz aus Intrigen wiederfindet. Warum haben Sie sich für diese Perspektive entschieden – und nicht beispielsweise für einen erfahrenen Journalisten als Protagonisten?

Carla ist die perfekte Protagonistin, denn sie stolpert so naiv in die Zeitungswelt, wie wir das tun würden. Und dann erfahren wir mit ihren Augen und Ohren, was dort wirklich los ist. Um alle Herausforderungen zu meistern, muss Carla weit über sich hinauswachsen. Und falls sie scheitert, verliert sie buchstäblich alles. So zwingt uns die taffe Praktikantin, ihr ganz fest die Daumen zu drücken.

Jan Koller, der ehemalige Starreporter, spielt eine wichtige Rolle. Spiegelt er für Sie einen bestimmten Typus Journalist wider? Ist diese Figur frei erfunden oder basiert sie auf einem realen Vorbild?

Jan Koller hat einen außerordentlichen Ruf, aber sich auf einem privilegierten Posten innerlich zur Ruhe gesetzt. Carla muss erst seine alten Instinkte wecken, um ihn als Mitstreiter zu gewinnen. Wir kennen Typen wie Jan Koller vielleicht aus Talkshows. Aber lebendig wird eine Figur nicht als Kopie realer Personen, sondern indem ich mich in sie hineinversetze: Wie würde ich an Jans Stelle handeln, in seiner Position, mit seiner Vergangenheit?

Das Buch thematisiert die Schwierigkeiten für Journalist:innen, die investigativ arbeiten. Wollten Sie damit ein gesellschaftliches Statement setzen?

Ja, denn nie war Journalismus so wichtig und so sehr unter Druck. Soziale Medien überfluten uns mit Fake News. Künstliche Intelligenz ermöglicht perfekte Täuschung. Wir brauchen mehr denn je guten Journalismus, der Meldungen einordnet und ihren Wahrheitsgehalt checkt. Aber Zeitungen müssen Profit machen, Verlage rationalisieren. Kaum ein Journalist hat noch die Zeit, investi-gativ zu arbeiten. Stattdessen setzen Redaktionen K.I. ein, um schneller und billiger produzieren zu können. Wenn wir aber die Fakten nicht mehr kennen, gerät die Demokratie in Gefahr. Carla erlebt diesen Druck vom ersten Tag ihres Praktikums an.

Sie haben selbst 15 Jahre als Reporter und Redakteur gearbeitet. Das macht die Wahl des Settings leicht, oder?

Sollte man meinen. Aber ich war beim Fernsehen, nie bei einer Zeitung. Und es ist schon zwanzig Jahre her. Also musste ich neu recherchieren. Das Ergebnis lautet: Ich ziehe meinen Hut vor allen, die unter den heutigen Bedingungen gute Arbeit leisten.

Wenn Sie auf die Entstehung des Plots zurückblicken: Gab es Wendungen, die sich erst während des Schreibprozesses ergeben haben? Oder war die Struktur von Anfang an klar?

Die Arbeit an „Die Praktikantin“ begann im Februar 2024, als Maxim Kusminow, ein russischer Pilot, der ein paar Monate zuvor zur Ukraine übergelaufen war, in einer Tiefgarage in Spanien erschossen wurde. Wahrscheinlich durch den russischen Geheimdienst, aber ich überlegte mir: Was könnte noch dahinter stecken? Ich verlegte den Mord nach Deutschland und begann den Plot zu bauen. Im Groben steht er fest, bevor ich zu schreiben beginne. Ich lasse Raum für Feinheiten, die sich zum Teil bei den Recherchen ergeben. Aber vor allem folge ich meinen Figuren durch die Geschichte. Ihr Handeln fügt Wendung auf Wendung. Ich finde nur noch die Worte dafür. Wenn uns der Thriller schier den Atem raubt, verdanken wir das der jungen Zeitungspraktikantin Carla Bergmann.